CR Investment vermarktet Pleite-Portfolio der GPG

29 Apr 2021

Bis zu 65 Immobilien umfasst das Portfolio der insolventen German Property Group (GPG)

CR Investment Management wird demnächst mit deren Verkauf starten. Es ist ihr derzeit größtes Mandat - wann es sich  auszahlt, ist noch offen. 


Dass es mit der erst als Dolphin Trust, dann als GPG agierenden Immobiliengruppe nicht rund lief, hatte  aufmerksame Journalisten schon 2019 beschäftigt. Doch es dauerte lange, bis die Finanzaufsicht und die Justiz auf das Treiben der Geldsammler aufmerksam wurden. Im Oktober 2020 wurde für die Gruppe und ihre  zahlreichen Objektgesellschaften Insolvenz angemeldet. Bis zu 1 Mrd. Euro Anlegergeld soll Medienberichten  zufolge betroffen sein. 


GPG hatte die meist denkmalgeschützten Immobilien seinerzeit mit dem Versprechen erworben, sie zum finanziellen Wohle der Anleger aufzuwerten und zu verkaufen. Doch die leer stehenden Gutshäuser und Industriedenkmäler bröckelten auch nach dem Kauf weiter vor sich hin. Prominente Objekte aus der GPG-Einkaufsliste sind das nur noch aus der Fassade bestehende Schloss Dwasieden auf Rügen, das Haus Fühlingen bei  Köln (in der Lokalpresse gerne „das Spukhaus“ genannt) oder die leer stehende Maschinenfabrik Karl Krause  in Leipzig. Diese und viele andere Objekte sollen nun ohne weitere hochfliegende Sanierungspläne verwertet  werden. Insolvenzverwalter Justus von Buchwaldt von BBL Rechtsanwälte hat damit CR Investment Management beauftragt.


CR Investment hat 52 GPG-Liegenschaften dokumentiert, es könnten aber im Zuge des Verfahrens bis zu 65  werden, schätzt Geschäftsführer Claudius Meyer. Zum Wert des Bestands darf er sich nicht äußern, sagt er,  versucht aber trotzdem, dem Eindruck eines reinen Ruinenportfolios entgegenzuarbeiten. „Dem allgemeinen  Narrativ zum Trotz sind eine Menge Objekte gar nicht schlecht, viele befinden sich in durchaus interessanten  Lagen und sind zeitnah vermarktungsfähig“, sagt Meyer. Viele der Investments von GPG seien immobilienwirtschaftlich betrachtet sinnvoll gewesen, „ob der bezahlte Einstandspreis sinnvoll war, ist eine andere Frage.  Auch die Aktenlage zu vielen Projekten würde ich vorsichtig als problematisch bezeichnen.“ 


Mehr als die Hälfte des Bestands befindet sich nach Überzeugung von CR Investment in liquiden Immobilienmärkten, zum Beispiel in Dresden, Aachen oder Augsburg. Selbst für die Schlossruine Dwasieden gebe es  Interessenten, „um dieses Objekt machen wir uns keine großen Sorgen“. Allerdings finden sich im GPG-Portfolio laut Wikipedia-Liste auch Standorte wie Oberweier, Jüterborg, Reichertshofen, Sehnde und Borna. Diese  dürfte Meyer meinen, wenn er einräumt, dass er sich nun teilweise auch mit „ziemlich illiquiden Situationen  in sehr lokalen Märkten“ beschäftigen muss. 


Interessenten bieten auf mehrere Objekte gleichzeitig.


Diesen bunten Mix als Gesamtportfolio anzubieten wäre wenig lukrativ, ist Meyer überzeugt. „Wenn alle Immobilien dieselbe Strategie erfordern würden, die ein Investor zeitgleich umsetzen kann, könnte das einen  Portfolioaufschlag rechtfertigen, doch das ist nicht der Fall. GPG kaufte alle Gebäude mit der Perspektive einer  Umnutzung zu Wohneigentum - doch dafür sind gar nicht alle geeignet, z.B. weil sie sich in reinen Gewerbegebieten befinden.“ Statt ein Gesamtpaket zu schnüren, werde man viele Objekte gleichzeitig offerieren, sodass  Interessenten auf mehrere Immobilien, beispielsweise mit übereinstimmender Nutzungsart oder in einer bestimmten Region, gleichzeitig bieten können. 


Einige Deals wollen Meyer und seine Transaktionsmanagerin Marlene Auerbacher schon im laufenden Jahr  zur Unterschriftsreife bringen, den größten Schwung hofft das Team im kommenden Jahr in den Verkauf zu  geben. Letztlich entscheide die Gläubigerversammlung über den Start, betont Meyer, er rechne aber mit einem  „zeitnahen Beginn“. Abgewickelt wird der Prozess maximal digital: Cloudbrixx betreibt den virtuellen Datenraum für die Dokumente, Realxdata bereitet die Objektinformationen auf. 


Ein schneller Start der Vermarktung dürfte für CR Investment selbst nicht unwillkommen sein, speist sich doch  das Honorar aus einer Erfolgskomponente auf den erzielten Verkaufspreis. In den einzelnen Objektgesellschaften stecken wenig liquide Mittel, um aufwendige Machbarkeitsstudien in Sachen Statik und denkmalrechtliche  Umsetzbarkeit zu finanzieren. 


Daher beschränkt sich CR Investment auch auf die Analyse der planerischen  Vorleistungen von GPG und die Bewertung, ob diese Konzepte auch umsetzbar wären. GPG ist das derzeit größte Mandat der Sanierungsspezialisten, die sich nach der Finanzkrise mit der Verwertung der Pleite-Immobilien von Firmen wie Deikon oder Dawnay, Day einen Namen gemacht hatten. Dass  GPG für lange Zeit auch das größte Mandat bleiben wird, ist für Meyer jedoch eher unwahrscheinlich. „Wir  stehen ja erst am Anfang der Insolvenzwelle nach der Corona-Krise. Es wird noch viel mehr Arbeit auf uns  zukommen.